Texte




Neben Hörspielen und Radiocomedy habe ich auch immer mal wieder Kolumnen geschrieben, die schönsten davon kann man hier lesen und zum Teil sogar hören.

Hier an dieser Stelle wird es immer wieder unterschiedlichste alte und neue Texte zu lesen geben, die mir aus dem einen oder anderem Grund am Herzen liegen. Frohes Lesen.

 
 
Eine Aufforderung bei Facebook war es, die mich veranlasst hat, einmal meine 10 liebsten Hörspiele/Hörbücher aufzuschreiben. Diese Liste ist nicht vollständig und enthält in ihrer Reihenfolge keine Wertung und ist auch nicht chronologisch. Trotzdem findet der eine oder andere hier vielleicht eine Anregung oder erinnert sich selbst an Beispiele aus dem wunderbaren Medium der Hörspiele, die ihn beeindruckt haben. Viel Spaß.

1. “Mopsy Mops und die verrückte Erfindung“, erdacht und umgesetzt vom hochverehrten Konrad Halver, BASF. Ein durchgeknallter Professor entwickelt zum Wohle der Menschheit die Umweltverschmutzungsschutzpille, kurz Uweverschmuschupi, die mittels Maschinengewehr unters Volk gebracht werden muss, dann aber leider mit der gefährlichen Umkrempelpille vertauscht wird… Zum Glück hatten meine Eltern keine Ahnung, WAS sie damals ihren Kindern in den Kassettenrekorder gelegt haben. Ein grandios-beklopptes Stück Hörspielgeschichte, frei von jeglichem pädagogischen Ansatz.
2. “Die drei Musketiere” von Sven Stricker, Hörverlag. Eine Umsetzung des bekannten Stoffes, hinter dem sich jede Filmadaption meiner Meinung nach verstecken kann. Im allerbesten Sinne Kino für die Ohren!
3. “helden:tot“, geschrieben von Stefan Sprang, Regie Kai Schwind und Sprecher Andreas Fröhlich. Ich war bei dieser Produktion am Rande involviert und bei den Aufnahmen live dabei, jedoch trotzdem nicht so damit verstrickt, dass ich noch genügend Abstand dazu habe um es uneingeschränkt grandios zu finden. Ein toller Stoff und ein Paradebeispiel, wie ein Hörstück mit nur einem Sprecher weit mehr als “nur” eine Lesung sein kann.
4. So gut wie alle Folgen der Radio-Comedy-Serie “Stenkelfeld“, von Detlev Gröning und Harald Wehmeier, NDR. Ein Glanzstück der akustischen Comedy und eine wehmütige Erinnerung daran, was Radio einst mal war und heute offenbar nicht mehr sein darf. Für mich gerade auch zu Zeiten, als ich selbst noch Radio-Comedy geschrieben habe, immer eine Inspiration und Motivation.
5. “Die drei ??? – Nacht in Angst“, Buchvorlage André Marx, Bearbeitung André Minninger, Europa. Als Kassettenkind, das so ziemlich alles an Kinderhörspielen in frühester Kindheit rauf und runter gedudelt hat AUSSER den drei ??? (zu schwarzes Cover, zu merkwürdige Konstellation), war dieses Hörspiel dann im Erwachsenenalter eins, das mich wirklich gepackt hat. Passenderweise tatsächlich im Dunkeln zum ersten Mal gehört, fand ich das wirklich spannend und fühlte mich mitgerissen.
6. “Das fliegende Klassenzimmer”, nach Erich Kästner, Hörspiel von Kurt Vethake, Deutsche Grammophon. Als Kind der 70er kannte ich vor allem die Verfilmung von 1973 mit Joachim Fuchsberger, hörte dann aber irgendwann in den 20ern (meinen, nicht das Jahrzehnt) einige alte Kästner-Hörspiele einer Freundin, unter anderem auch dieses. Sehr atmosphärisch und der Verfilmung (die in meiner Wahrnehmung ja das Original war) absolut ebenbürtig. Aha-Moment für mich: ich habe die Stimme des sehr sehr jungen Frank Elstner erkannt, ohne vorher zu wissen, dass er da mitspricht. „smile“-Emoticon
7. “Harry Potter 1-7“, gelesen von Rufus Beck, der Hörverlag. Hat mir zum einen in den 90ern das Genre “Hörbuch” (also, Lesung, nicht Hörspiel) nähergebracht und zum anderen die Potter-Welt, der ich zunächst skeptisch gegenüberstand, da auf einmal so ein Hype darum gemacht wurde. Aber Beck und Rowling haben mich dann gemeinsam “gekriegt”.
8. “Das Lufer Haus“, von Kai Schwind, Lauscherlounge. Ja, was soll man dazu sagen außer: meine Fresse, Kai, bin ich froh, dass ich das Ding tagsüber gehört habe… Fantastischer, authentischer Grusel. Hilfe!
9. “Rätsel um die grüne Hand“, nach Enid Blyton, Europa. Eine der erwähnten zahlreichen Kinderschallplatten. Absolut spannend, sehr atmospärisch umgesetzt, eines dieser Phänomene, wo man nur einen kurzen Soundausschnitt hören muss und sofort wieder 7 Jahre alt ist.
Und somit zu meinem absoluten Favoriten und meinem Herzenshörspiel:
10. “Per Anhalter ins All“, Douglas Adams, Regie: Ernst Wendt, BR/SDR/WDR. Im Alter von 18 erstmals gehört auf von einem Freund selbst aus dem Radio aufgenommenen Kassetten, und selten hat mich etwas so nachhaltig beeindruckt im Leben. Für mich der perfekte Einstieg in die (Gedanken-)Welt und Schreibe von dem von mir hochverehrten Douglas Adams. Natürlich habe ich mir später auch das original BBC-Hörspiel beschafft (sowie sämtliche Bücher und alles andere von D.A.), und natürlich ist das nochmal eine andere Ebene, aber speziell diese wirklich toll umgesetzte deutsche Version (inklusive der witzigen An- und Abmoderationen des Radiosprechers, die der heutige CD-Käufer leider nicht erhält), hat für immer einen sehr speziellen Platz in meinem Herzen und ist zu einem großen Teil mitverantwortlich dafür, wie ich heute meinen Lebensunterhalt verdiene.

 


Vor 14 Jahren hat alles begonnen: ich habe gemeinsam mit reizenden Kollegen eine Filmkritiken-Website bestückt. Aus aktuellem Anlass, nämlich mein erneutes Kritikerdasein (für das Intro-Magazin), poste ich mal hier einen von zahlreichen Artikeln, die ich damals verfasst habe. Der Film dürfte (zu Recht) schon dem allgemeinen Vergessen anheim gefallen sein. Übrigens auch deshalb ein hübsches Stück Zeitgeschichte, weil das Wort “Videorekorder” darin vorkommt. Die Älteren werden sich erinnern…

Monkeybone
Comiczeichner Stu Miley (Brendan Fraser) hat es endlich geschafft: Seine Serie „Monkeybone“ ist dabei, ein toller Erfolg zu werden. Doch dann schlägt das böse Schicksal zu: Ein Unfall versetzt ihn, gerade als er seiner Freundin Julie (Bridget Fonda) einen Antrag machen will, ins Koma. Sein Geist wird in die Zwischenwelt „Downtown“ verfrachtet. In dieser von den wundersamsten Kreaturen bevölkerten Umgebung muss er nun um eine Rückkehr ins Leben kämpfen und hat dabei nicht nur den Tod (Whoopi Goldberg) als Gegner, sondern auch seinen, mittlerweile lebendig gewordenen, Comicaffen Monkeybone. Dieser schlüpft in der realen Welt in Stu´s Körper und beginnt eine Menge Unheil anzurichten.

Die Geschichte des außer Kontrolle geratenen zweiten Ichs ist nicht gerade neu. Von Dr. Jekyll und Mr. Hyde bis zu Professor Klumps haben es schon einige Variationen auf die Leinwand geschafft. Hier ist es also ein fieses und sexbesessenes Äffchen, das erst als Cartoon, dann als reale Figur, als Geist im menschlichen Körper und zum Schluss sogar als Plüsch-Affe nicht nur seine Umgebung ärgert, sondern auch den Zuschauer zumindest in der zweiten Hälfte der Geschichte mit pubertär anmutenden Geschmacklosigkeiten nervt. All das ist eingebettet in eine Liebesgeschichte, die ebenso originell ist wie sie überzeugt: nämlich gar nicht.

Soweit also wirklich kein Grund, um Geld an der Kinokasse loszuwerden. Aber – bisher ging es ja „nur“ um die Story. Das Gute an Monkeybone, und das gibt es, muss man jenseits von Handlung und Humor suchen. Es findet sich in der Visualität des Films. Henry Selick, der schon mit Tim Burton bei „Nightmare before Christmas“ zusammen arbeitete, erschafft hier in den Downtown-Sequenzen mit Hilfe von Stop-Motion und Computer-Animation eine fast schon verstörende, albtraumartige Welt, bevölkert mit skurrilen Wesen und gespickt mit kleinen, schrägen Details und Anspielungen, die man sicher beim ersten Sehen gar nicht alle wahrnehmen kann. In dieser Atmosphäre, und leider nur hier, funktioniert der Film gut und kann sich, im wahrsten Sinne des Wortes, sehen lassen.

Doch man wird den Eindruck nicht los, als hätte sich Selick in der Downtown-Welt so sehr verausgabt, dass für die restliche Story weder Zeit noch Lust vorhanden war, so lieb- und witzlos kommt sie daher.
Monkeybone – ein klarer Fall also für den Videorekorder mit Schnellspul-Funktion.
(Katrin Wiegand, für www.framesonline.de, 2001)




Ein freudiges Ereignis: die Lauscherlounge wird 10 Jahre alt.

Und wie jeder andere Zehnjährige muss auch sie sich anhören: Mensch, du bist aber groß geworden!

Ich gratuliere Oliver Rohrbeck und den tüchtigen, lieben Menschen vor und hinter den Kulissen, die all die wunderbaren Produktionen und Veranstaltungen seit 10 Jahren möglich machen und freue mich, selbst ein Teil dieses sehr besonderen Lauscherlounge-Universums seit nunmehr auch schon 7 Jahren sein zu dürfen.

Nach einer Gastrolle Olivers in der allerersten Ferienbande-Folge, und einem feinen Live-Auftritt der Ferienbande in der Alten Kantine im Rahmen der monatlich stattfindenden Lauscherlounge-Live-Hörspielabende hat für mich alles mit der schönen, immerhin 16 Folgen währenden Hörspielserie „…und nebenbei Liebe“ angefangen, die ich für Oliver (und den Argon Verlag) schreiben durfte.

Seitdem habe ich an unzähligen Hörspiel-, Live-Hörspiel- und Hörbuchprojekten für die Lauscherlounge in unterschiedlichen Funktionen mitwirken können und dabei eine Menge gelernt, Verschiedenes ausprobiert, viele großartige Menschen getroffen und ganz allgemein einen Haufen Spaß gehabt. Und das wird hoffentlich auch noch lange so bleiben. Auf die nächsten 10 Jahre!

Alles Gute, Lauscherlounge

und danke für alles.







 

 

Laudatio für Konrad Halver

(bei der Ohrkanus-Preisverleihung 2009 hatte ich die Ehre, gemeinsam mit dem geschätzten Kollegen Frank Gustavus eine Laudatio für die Hörspiellegende Konrad Halver zu halten, der den Preis für sein Lebenswerk an diesem Abend erhielt. Es war mir ein Fest! Dies ist mein Teil der Rede.)


Konrad Halver wird heute abend mit dem Preis für sein Lebenswerk ausgezeichnet, was er mehr als verdient hat. Normalerweise erzählt man dann in der Laudatio über eben dieses Lebenswerk, ich möchte aber mit meiner persönlichen Geschichte hier beginnen. Dazu gehe ich jetzt erstmal ein paar Jahre zurück, ich spule also die Kassette zurück:

Wir befinden uns im Jahr 2003, meine Kollegen Kai Schwind, Sven Buchholz und ich haben die Ferienbande ins Leben gerufen und wir sind dabei, die erste Hörspiel-CD von diesem Projekt zu produzieren. Für eine der Rollen wollen wir Lutz Mackensy dabeihaben und über Bekannte von Bekannten finden wir ein Studio in Hamburg, wo wir Mackensy aufnehmen können. Es sind die Graceland-Studios von Konrad Halver.

Moment mal, Konrad Halver? Die Hörspiellegende Konrad Halver? Wow! Schwer beeindruckt fahren wir in den hohen Norden.

Ein Mann im St. Pauli-T-Shirt öffnet uns die Tür und sagt: “Kommt rein, ihr Lieben!”

Und schon sind wir drin und noch während Konrad uns Kaffee kocht und gleichzeitig ein bisschen aufräumt “bevor Lutzi-Putzi kommt”, wie er sagt, hat er uns schon die ersten Anekdoten aus über 30 Jahren gelebter Hörspielgeschichte erzählt.

Die Graceland-Studios machen auf uns den Eindruck einer gemütlichen Altbau-WG, und wie in einer richtigen WG tummeln sich auch die unterschiedlichsten Leute mit ihren Projekten darin, im Hinterzimmer probt zum Beispiel gerade ein japanischer Chor!

Es ist gar keine Frage, ob man mit Konrad schnell warm wird oder nicht – man hat einfach keine andere Wahl! Während er mit klangvollen Namen der Hörspielwelt um sich wirft und zu jedem diverse Geschichten erzählen kann, laufen freundlich nickende Japaner vorbei, klingelt das Telefon und wird der Tontechniker noch eben Brötchen holen geschickt.

Ich spule jetzt ein Stück vor, die Aufnahmen mit Mackensy sind im Kasten, und uns wird bereits auf dem Heimweg klar: Konrad muss auch bei der Ferienbande mitmachen. Eine bisher nur grob angedachte Figur wird ihm jetzt von uns auf den Leib geschrieben: Strandkorb-Norbert. Ein alter Seebär, der jetzt die Strandkörbe verwaltet und der Ferienbande einige erstaunliche Dinge über die Insel Rügen erzählen kann. Aus terminlichen Gründen mailen wir ihm das Script, Konrad nimmt die Rolle allein auf und wir bekommen das Ergebnis per Post:

Was uns dann da aus den Lautsprechern entgegen donnert ist unfassbar! Konrad Halver lässt es krachen. Er brabbelt, murmelt, brüllt, blubbert und lässt Strandkorb-Norbert lebendig werden.

Da bestätigt sich übrigens, wie falsch die Pressestelle seines ehemaligen Arbeitgebers gelegen hat, die ihn schon mal für tot erklären wollte: nein, Konrad Halver lebt. Und wie.

Seit dieser Begegnung waren wir noch ein paar Mal für Aufnahmen in den Graceland-Studios und haben uns dort jedesmal sehr wohl gefühlt. Konrad hatte auch in den folgenden beiden Episoden der Ferienbande seinen festen Platz, einmal als großartiger Klischee-Zigeuner und einmal als Horst Adler, der Hausmeister der “Wolfsschanze”. Eine der Varianten, die Konrad uns für diese Rolle angeboten hat, wäre wohl nur knapp an der Indizierung vorbeigeschrammt.

Er ist auf jeden Fall immer eine Bereicherung, ob für das Hörspiel selbst oder für uns privat, denn die Anekdoten aus seinem Leben als Regisseur, Autor, Sprecher, Schauspieler, Synchronsprecher und Produzent sind einfach unbezahlbar.

Für mich hatte dieser erste Besuch in Hamburg noch ein persönliches Highlight, denn ich hatte mich vorbereitet und mich durch meine Kassetten und Schallplatten (die älteren werden sich erinnern) gewühlt und festgestellt, dass wohl bei einem Drittel der Hörspiele der Name Konrad Halver auf dem Cover auftaucht. Ich muss hier mal ein paar Beispiele nennen, in welchen Rollen Konrad in meinem Schrank verewigt ist:

Als Bloody Fox bei “Old Surehand”! (Es gibt natürlich noch viele weitere Karl May Hörspiele mit Konrad, aber ich besitze nur dieses!)

Als Spaßvogelschlumpf bei “Der kleine Schlumpf reißt aus”.

Als Tapsy, der Igel bei “Putzis lustige Abenteuer”

(ja, ich weiß. Ich war klein und ein Mädchen!)

Als der junge Bambi in “Bambi”! (Und zwar nicht die weichgespülte Disney-Version!)

Aber auch als Rattenfänger von Hameln in (verblüffenderweise) “Der Rattenfänger von Hameln”.

Ja, und dann gibt es da noch eine Kassette, die ich dann auch mit nach Hamburg genommen habe, damit Konrad mir ein Autogramm darauf geben kann, und ich glaube, dass ihn das auch ein wenig gefreut hat, weil es eben speziell dieses Werk war! Es handelt sich um “Mopsy Mops und die verrückte Erfindung”. Eine Comic-Hörspielserie, die Konrad selbst erfunden hat und bei der er auch die Hauptrolle spricht.

Für mich ein Glanzstück meiner Kinderhörspiele! Für andere, die nicht das Glück hatten, dieses abgedrehte Teil in der Kindheit zu hören, wohl eher.. befremdlich. Heutzutage würde wohl auch niemand mehr ein Kinderhörspiel konzipieren, wo beispielsweise Menschen mit einer sogenannten Umkrempel-Pille beschossen werden (aus Maschinengewehren!) und wo sich bei den Getroffenen dann mit feinster Sounduntermalung ihr Innerstes nach außen stülpt.

Wenn man sowas mit etwa 7 Jahren hört, erklärt das später einiges!

Das ist jetzt alles eine sehr persönlich Sichtweise von mir, und Konrad hat natürlich noch viele viele andere Dinge gemacht, von denen uns Frank sicher noch einiges erzählen wird.

Ich sage jedenfalls schonmal: Danke, Konrad, für alles, und ich glaube, ohne Dich wäre das Genre wirklich ein ganzes Stück langweiliger.

(Katrin Wiegand, 2009)

 


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